26. May 2020

Fotografin Katharina Hein über die Sucht nach dem perfekten Foto und Body Positivity bei Foto Shootings

Katharina Hein ist mit Herz und Seele Fotografin, das sieht man gleich wenn sie strahlend mit Kamera und Equipment zum verabredeten Shooting erscheint. Erleben durften wir das vor allem bei unserem ersten professionellen Fotoshooting für Brajuu! Katharina ist nämlich verantwortlich für die vielen BH-Bilder, die ihr auf unserem Blog, in der Presse oder auch mal in den sozialen Medien von uns entdeckt. Wir haben sie gefragt, welchen Stellenwert professionelle Fotografie in Zeiten von Social Media und guter Kameratechnik in Smartphones hat und wie sie es schafft, dass sich Menschen (trotz vermeintlicher Makel) vor der Kamera wohlfühlen.

Was macht dir an deiner Arbeit am meisten Spaß?
Am meisten Spaß macht es mir so viele unterschiedliche Menschen kennen zu lernen. Viele von den Personen die ich fotografiere werden nicht oft fotografiert und fühlen sich von daher am Anfang oft sehr unwohl. Es bereitet mir Freude, Ihnen dieses Unwohlsein zu nehmen und zu merken wie sie mit jedem Foto lockerer vor der Kamera werden und genau so viel Spaß haben wie ich beim fotografieren.

Wie bewertest du es als professionelle Fotografin, dass jetzt gefühlt jedermann mit dem Handy einfach hochqualitative Fotos machen kann?
Ach ich sehe das gar nicht so eng. Ich habe mir selber ein Handy mit einer guten Kamera gekauft, weil ich ja auch als Fotografin keine Lust habe immer den Trümmer mitzunehmen. Aber genau das ist es auch was ich erlebe: alle machen zwar ganz schöne Bilder mit dem Handy, der Unterschied zur professionellen Kamera liegt aber ja nicht nur in der Technik sondern auch in dem Können dahinter - ob Business oder Familie. Trotz guter Handytechnik buchen alle ein Shooting weil auch sie den Unterschied zwischen den selbstgeschossenen Handybildern und einem professionellen Fotografen sehen. Wie gesagt die Technik ist das eine, einen Menschen richtig in Szene zu setzen, den passenden Hintergrund zu finden, im richtigen Moment ab zu drücken - eben das ganze “drumherum” - muss schon gelernt sein.

Wie stehst du zum Thema Nachbearbeitung von Fotos mit Photoshop und fertigen Filtern und der “Sucht” nach dem perfekten Foto in den sozialen Medien?
Photoshop ist ein sehr beliebtes Programm und wird immer in Verbindung gesetzt mit viel Bearbeitung und Veränderung, jedoch muss es das gar nicht. Ich benutze Photoshop nicht, um eine Menschen dünner zu retuschieren, sondern um Kleinigkeiten verschwinden zu lassen. Das ist mal ein Lichtschalter im Hintergrund, eine Falte im Oberteil oder ein paar Fusselhaare. Das hat für mich nichts mit einer Typveränderung zu tun.

Das menschliche Auge ist ein Wunder und wir nehmen in unserem Alltag zwar alles dreidimensional wahr, jedoch sehen wir wenn wir einen Menschen anschauen nicht den Türgriff im Hintergrund, die Falte im T-Shirt oder die Fusselhaare. Wir sehen nur den Menschen. Durch das zweidimensionale Foto werden solche Kleinigkeiten viel schneller sichtbar. Ich retuschiere sie weg, um vom wesentlichen, der Person auf dem Bild, nicht abzulenken.

Filter sind nichts anderes als das, was ich jeden Tag in meiner Bearbeitung erstelle. Es werden Farben, Kontraste, Schärfe und Sättigung angepasst. Das es diese Filter in fertig gibt, spart einfach unglaublich viel Zeit. Das Bild, so wie es aus der Kamera kommt, ist nicht dafür gedacht schon so benutzt zu werden. Mit Absicht nehme ich dort Farben und Schärfe raus, damit ich sie nachher nach meinem Ermessen wieder einfügen kann. Daher gebe ich auch nie unbearbeitete Bilder raus. Durch die Bearbeitung oder auch die Filter bekommt jeder Fotograf auch noch mal seinen eigenen Stil und Wiedererkennungswert.

Die Sucht nach dem perfekten Foto ist meiner Meinung nach ein Teufelskreislauf der sich durch die sozialen Medien entwickelt hat. Menschen entdecken Bilder von anderen und denken sie sehen 24/7 so aus und wollen das Gleiche. Ein Teufelskreislauf aus dem wir so schnell nicht wieder rauskommen! Das ich eine Sucht nach perfekten Bilder habe ist klar! Ich arbeite jeden Tag damit, wenn ich diese nicht hätte würde ich mich nicht weiter entwickeln.

Was ist ein perfektes Foto für dich?
Das gibt es nicht. Es gibt Fotos die ich schön finde, die mir gefallen. Ein perfektes Foto zu definieren ist nicht so einfach. Gerade bei den eigenen Fotos findet man immer etwas was man verbessern könnte. Das sorgt aber auch dafür immer besser zu werden, daran zu wachsen und sich weiter zu entwickeln.

Merkst du direkt, ob sich die Person, die du fotografierst wohl in ihrem Körper fühlt und zufrieden mit sich ist?
Ja definitiv! Oft sagen die Personen die ich fotografiere schon direkt zum Anfang des Shootings wo ihre persönlichen Makel sind (die natürlich in den meisten Fällen Schwachsinn sind). Doch genau darum geht es, auch wenn ich die vermeintlichen Makel nicht so empfinde. Die Person hat wohl einen Grund, auf welchen ich versuche zu achten und ihr so das Gefühl zu geben, sich trotzdem wohlfühlen zu können. Das ist natürlich vollkommen okay - ich finde auch, dass ich immer ein Doppelkinn habe und umso wichtiger, dass ich darauf bei meinen eigenen Fotos achte. Daher versuche ich soweit es geht mit der Person mit zu fühlen und alles dafür zu tun, dass sie sich trotzdem entspannen kann.

Hast du einen Lieblings-BH (Marke, Passform, Farbe)?
Mir ist Bequemlichkeit und Passform unglaublich wichtig, weil ich mich in meinem Beruf viel bewege. Zurzeit trage ich gerne BHs von Passionata, die passen sich gut meiner Brust an und haben nicht nur die gängigsten Größen. Ich trage 70G - die wenigsten BH Hersteller bieten diese Größe an.

Welche Bedeutung hat Unterwäsche für dich?
Es gibt Unterwäsche in meinem Schrank die ich gerne mag und welche die ich nicht sooo gerne mag. Ich weiß unter welche Hose ich was anziehen muss damit ich mich wohl fühle. Natürlich habe ich auch „schöne“ Unterwäsche, jedoch ist es mir im Alltag wichtiger das nichts zwickt oder einschneidet. Unterwäsche hat denke ich einen hohen Stellenwert, da wir sie ja nun mal eben auch alle jeden Tag tragen. Da gebe ich gern ein bisschen mehr Geld für gute Qualität aus.

Wie kann Unterwäsche auf dem Weg zur Selbstliebe und Akzeptanz des Körpers unterstützen?
In dem man sich Unterwäsche kauft in der man sich wohl fühlt! Und zwar so sehr wohl fühlt, dass man zuhause auch mal nur mit Unterwäsche rum springt, tanzt und putzt. Ich habe einen großen Spiegel in meinem Flur - egal in welchen Raum ich gehe, ich komme an diesem Spiegel vorbei. Also rein in die schöne bequeme Wäsche und sich wohlfühlen! **Je öfter man sich dann in dem Spiegel sieht und ein Gefühl für seinen Körper bekommt desto mehr fördert das die Selbstliebe. Ich bin gut so wie ich bin! Fühlt euch wohl in eurem Körper denn jeder Körper ist einzigartig und wertvoll! **

Ihr wollt mehr zu Katharina wissen?
Besucht ihre Website und schaut auf Instagram @katharinaheinfotografin vorbei.

Foto Katharina Hein

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